Robert Kubica. Porträt.

Manchmal kann dieser junge Mann auch anstrengend sein. Vielleicht ist anstrengend das falsche Wort, wenn man Robert Kubica mit einem Wort beschreiben müsste. Vielleicht wäre fordernd besser. Das trifft es ganz gut. Fordernd – nicht nur gegenüber anderen, sondern vor allem gegenüber sich selbst. Der Pole will immer das Maximum, und das am liebsten sofort, ohne Umwege. Geduld ist nicht seine Stärke. Und das kann eben manchmal ganz schön anstrengend sein. Denn bisweilen braucht man auch in der Formel 1 Geduld. Aber wer den Lebensweg von Robert verfolgt, der erkennt schnell, warum er genau so ist, wie er ist. Wer aus einem Land ohne Formel-1-Tradition kommt und sich trotzdem dem Traum vom F1-Fahren nicht ausreden lässt; wer mit 13 Jahren sein Elternhaus in Krakau verlässt, um im fremden Italien bei seinem Kart-Team in der Garage zu arbeiten und nachts darüber zu schlafen; wer nach einem fürchterlichen Verkehrsunfall schwer verletzt Angst haben muss, seinen rechten Arm zu verlieren und mit eisernem Willen noch im Krankenbett an seinem Comeback arbeitet, um nur wenige Wochen danach ein Rennen zu gewinnen – wer all dies in nur wenigen Jahren geschafft hat, der weiß: Ich kann noch viel mehr erreichen. "Er hat bei allem, was er tut, einen unbedingten Siegeswillen", sagt sein Manager Daniele Morelli. Den ganzen Rummel in der Formel 1 mag Robert nicht unbedingt. Er weiß, dass Verpflichtungen für Sponsoren, Partner und Medien genauso dazu gehören wie Foto-Sessions hier oder Autogramme schreiben dort. Aber am liebsten würde er von morgens bis abends im Auto sitzen und testen oder Rennen fahren. Das ist sein Leben. Da fühlt er sich wohl. "Er ist sehr fokussiert", sagt BMW Motorsport Direktor Mario Theissen. "Ich bin ganz normal", entgegnet Robert. Wer seine wenigen freien Tage am liebsten alleine oder mit seiner Freundin bei einer Rallye oder auf der Kartbahn verbringt, der muss vom Motorsport-Virus infiziert sein. Wer auf die Frage, in welchem Auto er am liebsten bei seiner Hochzeit vorfahren würde, sagt, in einem Formel-1-Zweisitzer, und wer auf eine einsame Insel am liebsten ein Auto, Reifen und Benzin mitnehmen würde, der muss ein besonderes Kaliber sein. Für ihn ist das alles ganz normal. Wie Pokern oder Bowling, zwei andere Leidenschaften. Es war für ihn auch völlig normal, vor der Saison 2008 eine radikale Diät zu machen. Das Team hatte ihm gesagt, wenn er ein paar Kilo leichter wäre, könnte sich dies positiv auf die Balance des Autos auswirken. Gesagt, getan. Und so nahm der ohnehin schlanke Robert bis zum Saisonstart sieben Kilo ab. Einmal mehr war er hart zu sich selbst. Für den Erfolg tut er alles. Seine erste komplette Formel-1-Saison 2007 verlief für Robert nicht wie gewünscht, nachdem er im Vorjahr bereits in seinem dritten F1-Rennen, dem Grand Prix von Italien, einen Podestplatz errungen hatte. Hinzu kam der Moment, in dem die Formel 1 den Atem anhielt: Montreal, GP Kanada, 27. Runde: Robert wurde in einen der spektakulärsten Unfälle der jüngeren F1-Geschichte verwickelt. Er hatte sich an Jarno Trullis Toyota den Frontflügel abgerissen, sein Auto stieg auf, krachte unkontrollierbar in eine Mauer, prallte ab, überschlug sich mehrfach, verteilte Einzelteile über die Strecke und schlug nochmals an eine Wand. Es schien unmöglich, dass ein Mensch diesem Wrack ohne schwere Verletzungen entkommen könnte. Doch Robert hatte einen Schutzengel. Bis auf einen verstauchten Knöchel blieb er unverletzt. Und ausgerechnet in Montreal schrieb Robert ein Jahr später ein weiteres Kapitel Motorsport-Geschichte. Er sorgte am 8. Juni für den historischen ersten Sieg des BMW Sauber F1 Teams und stand als erster Pole überhaupt ganz oben auf dem Siegertreppchen. Nick Heidfeld machte als Zweiter den Doppelsieg perfekt. Doch Kubica wollte mehr. Schließlich führte er nach Kanada die WM-Wertung an. Und diese Führung wollte er nicht mehr abgeben, wollte in seiner erst zweiten vollständigen Formel-1-Saison den WM-Titel. Doch letztlich musste der coole Zocker aus Krakau einsehen: Sein Dienstfahrzeug war noch nicht so weit. Die Konkurrenten von McLaren und Ferrari waren noch zu stark. Noch. 2009 soll sich das ändern. Diese Forderung hat er. An sich und an sein Team.

Robert Kubica - Formel 1 Pilot